Di 21. Mai 2024 16:00 Uhr
Münster St.-Lamberti-Kirche
Der Eintritt ist frei. Wir bitten Sie nach dem Konzert um eine Spende.

Johann Sebastian Bach und seine Schüler

Leo van Doeselaar, Titularorganist des Koninklijk Concertgebouw in Amsterdam und Organist der Nederlandse Bachvereniging bei ihrem Videoprojekt „All of Bach“ (Youtube), trat als Solist mit zahlreichen Orchestern unter Dirigenten wie Mariss Jansons, Riccardo Chailly, Charles Dutoit, Claus-Peter Flor, Ingo Metzmacher und David Zinman sowie als Continuospieler mit verschiedenen Barockensembles auf. Konzerte, Juryarbeit und Meisterkurse führen ihn durch ganz Europa und Asien. Als Solist und in Ensembles hat er zahlreiche CDs eingespielt, die z. T. mit Preisen ausgezeichnet wurden. Bis 2019 war er Professor für künstlerisches Orgelspiel an der Universität der Künste Berlin, zudem bis 2021 Titularorganist der Pieterskerk in Leiden. Seit 2014 ist er Co-Titularorganist der Martinikerk in Groningen. 2007 wurde ihm der Sweelinckpreis für seine Verdienste um die Orgelkultur verliehen.

Besetzung

Leo van Doeselaar Orgel

Programm

Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788): Preludio D-Dur, Wotq. 70, Nr. 7 „Orgelsonate mit dem Pedal“ |Johann Ludwig Krebs (1713–1780): Fantasia sopra „Freu dich sehr, o liebe Seele“, KrebsWV 519 | Johann Christoph Oley (1738–1789): Der Tag ist hin, mein Jesu bey mir bleibe |Johann Christian Kittel (1732–1809): Praeludium e-Moll | Johann Gottfried Müthel (1728–1788): Fantasia F-Dur | Wilhelm Friedemann Bach (1710–1784): Fuge F-Dur, F. 36 | Johann Caspar Vogler (1696–1765): Jesu, Leiden, Pein und Tod | Johann Schneider (1702–1788): Mein Gott das Herze bring ich Dir | Carl Philipp Emanuel Bach: Aus der Tiefe rufe ich, BWV Anh. 745 | Johann Sebastian Bach (1685–1750): Sonate Nr. 4 e-Moll, BWV 528 | Aus der Kantate „Gott soll allein mein Herze haben“, BWV 169: Aria „Stirb in mir“bearb. für Orgel von André Isoir und Leo van Doeselaar | Praeludium/Pièce d’Orgue (con Fuga) in D-Dur, BWV 532

St.-Lamberti-Kirche

Münster

St. Lamberti am Prinzipalmarkt wurde, von den ansässigen Kaufleuten finanziert, zwischen 1375 und 1525 als Markt- und Bürgerkirche erbaut. Die Kirche aus Baumberger Sandstein gilt, zusammen mit der Wiesenkirche in Soest, als ein Höhepunkt in der Entwicklungsgeschichte der westfälischen Hallenkirche in der Spätgotik. Im 19. Jahrhundert drohte der alte, nach und nach auf 50 m hochgebaute Turm mit Glocken und Spitzkuppel einzustürzen, weshalb man ihn 1888 abriss und bis 1898 durch einen neugotischen, 90,5 m hohen Turm mit durchbrochenem Maßwerk, der sich von dem alten deutlich unterscheiden sollte, ersetzte. Er gilt als eine verkleinerte Kopie des Turms am Freiburger Münster und weist auch Ähnlichkeit mit den Kölner Domtürmen auf.

Bemerkenswert sind die drei Eisenkörbe am Turm von Lamberti. In ihnen wurden 1536 die Leichname der drei Anführer des Täuferreichs von Münster – Jan van Leiden, Bernd Krechting und Bernd Knipperdolling – zur Schau gestellt. Zuvor waren sie auf dem Platz vor der Kirche öffentlich gefoltert und hingerichtet worden. Bei den Skulptur.Projekten 1987 installierte der Künstler Lothar Baumgarten seine „Drei Irrlichter“ in den Käfigen, „ein ebenso nachdenklicher wie ironischer Kommentar zu einem höchst ambivalenten Abschnitt der Stadtgeschichte, der heute seinen festen Platz in der Münsteraner Folklore behauptet“ (Stefan Rethfeld, Sylvaine Hänsel: Architekturführer Münster/Architectural Guide to Münster. Berlin 2017, S. 112).

Eine münstersche Besonderheit: von 21 Uhr bis Mitternacht (außer dienstags) bläst Martje Thalmann, die Türmerin, zur vollen und halben Stunde das Horn. Das Türmeramt auf dem höchsten Punkt der Innenstadt Münsters besteht seit 1379. Die Türmer bliesen die Zeit und hielten als städtische Angestellte nach Feuer und Feinden Ausschau. Martje Thalmann ist, seit 2014, die erste Frau in der Männerdomäne.

Die Hauptorgel von St. Lamberti wurde nach einem Dispositionsentwurf von Ludwig Doerr (Freiburg) 1989 von der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke errichtet, 2006 generalüberholt und erweitert. Das rund 4 Tonnen schwere Instrument hat 55 Register auf vier Manualen und Pedal und hängt im Turmraum der Kirche. „Die St.-Lamberti-Orgel gehört zu den architektonisch bedeutendsten Instrumenten des neueren Orgelbaus – mit der zwischen den Säulen ‚schwebenden‘ Lösung fügt sie sich optimal in den Raum ein. Und auch klanglich bietet sie eine ausgesprochen vielseitige Palette an Klangfarben, sie ist sehr präsent im Raum ohne erdrückend zu sein.“ (Gabriel Isenberg, www.orgelsammlung.de)