Mi 22. Mai 2024 19:30 Uhr
Münster Theater Münster
47 € – 13 € / erm. 23,50 € – 6,50 €

J. S. Bach – Die Apokalypse

Die Oper, die Bach nie geschrieben hat – Nach Musik von Johann Sebastian Bach & Panos Iliopoulos

Eine „Bach-Oper“ aus Den Haag – mit einem alt-münsterschen, zugleich brandaktuellen Thema, vom innovativen Opernlabel OPERA2DAY und den international namhaften Bach-Expert:innen der Nederlandse Bachvereniging produziert.

Johann Sebastian Bach, der so dramatische, hochemotionale Kantaten und Passionen schrieb, wäre gewiss auch ein großer Opernkomponist geworden, hätte er die Stelle an der Dresdner Oper, auf die er sich beworben hatte, bekommen. Von dieser Idee inspiriert, entstand „die Oper, die Bach nie geschrieben hat“. Nach einer Idee von Shunske Sato trägt „J. S. Bach – Die Apokalypse“ Bachs Musik in historisch informierter Aufführungspraxis in einen neuen Kontext. Dafür hat Panos Iliopoulos, Barockspezialist und Komponist, ergreifende Ausschnitte aus Bachs Werken zusammengestellt und mit eigener Musik sowie dem Libretto von Thomas Höft zu einem durchkomponierten Ganzen verwoben.

„J. S. Bach – Die Apokalypse“ erzählt eine wahre Geschichte: das Lebensdrama des niederländischen Täufers Jan van Leiden. Der Schauspieler, Kneipenwirt und Schneider war im 16. Jahrhundert Anführer der sog. „Wiedertäufer“. Diese Täufersekte lehnte die Taufe des Kleinkindes ab und ließ nur die Erwachsenentaufe gelten, verkündete den Untergang der Welt und gründete in Münster, mit Jan van Leiden als „König“, einen Staat, der die Erlösung versprach – und sich zur Diktatur entwickelte. Die Oper folgt Jan bis zu seinem letzten Geständnis in der Todeszelle, von seiner anfänglichen Begeisterung für das Täufertum bis zu seiner so extravaganten wie rücksichtslosen Herrschaft in Münster und dem blutigen Untergang des fundamentalistischen Terrorregimes. Populismus, Polarisierung, Radikalisierung. Endzeiterwartung und Apokalypse: In den 1530er Jahren in der westfälischen Domstadt. 2024: Wo?

Die Nederlandse Bachvereniging wurde 1921 gegründet, um Bachs Matthäuspassion in der Grote Kerk in Naarden aufzuführen, und hat sich seitdem zu einem Vokal- und Instrumentalensemble von internationaler Bedeutung entwickelt. Es versammelt die Crème der Interpret:innen Alter Musik, nicht nur aus den Niederlanden. Die Videos des Projektes „All of Bach“ das zum Ziel hat, alles von Bach aufzunehmen, stehen kostenlos auf Youtube zur Verfügung.

„Wir erfinden Oper neu, um die Menschen von heute zu inspirieren und zu bewegen“, so OPERA2DAY. Die Produktionen des Den Haager Labels kombinieren relevante Geschichten und fesselnde Musik mit einer kraftvollen Inszenierung, um die Zuschauer:innen zu berühren und aktuelle Themen erfahrbar zu machen. Immer auf Qualität, Originalität und Zugänglichkeit bedacht, spielt OPERA2DAY dabei mit allen Aspekten einer Aufführung: der Inszenierung, der Musik, der Geschichte, den Theatercodes, dem Aufführungsort, dem Theatererlebnis. Renommierte Musikensembles, Dirigenten, Musiker:innen und Sänger:innen engagieren sich in den Produktionen.

Besetzung

OPERA2DAY & Nederlandse Bachvereniging
Hernán Schvartzman Musikalische Leitung
Shunske Sato Idee, musikalische Beratung
Serge van Veggel Regie, Drehbuch
Thomas Höft Libretto

Florian Sievers Tenor (Jan van Leiden)
Wolf Matthias Friedrich Bass-Bariton (Bernhard Knipperdollinck)
James Hall Countertenor (Bischof Franz von Waldeck/Jan Matthijsz)
Georgia Burashko Mezzosopran (Dieuwer Brouwersdochter)
Mattijs van de Woerd Bariton (Bernhard Rothmann)
Kaspar Kröner Countertenor (Henrick Hendricksz (Heuchelei)/Jacob Dusentschuer)
Wiebe-Pier Cnossen Bass (Claes Janssen (Unschuld)/Abgesandter des Bischofs/Kaplan Johannes von Siberg)
Michaela Riener Sopran (Marijtje IJsbrandsdochter/Elisabeth Wandscherer)
Lauren Armishaw Sopran (Katarina)
Jobst Schnibbe Schauspiel (Heinrich Gresbeck)
Wijers Alt Frau in rebellischer Gruppe
Mike Wijdenbosch Schauspieler (Freund Jan van Leiden)
Freek van Zonsbeck Schauspieler (Anführer des Bischofs)
Boris van Bochoven, Janusz Pawlak, Zweitze Zwart Soldaten des Bischofs (Statisten)
Herbert Janse Bühnenbild
Uri Rapaport Lichtgestaltung
Mirjam Pater Kostüme

Einführung

Philip Ruitenberg

18:30 Uhr – 19:00 Uhr | Theaterfoyer

Theater Münster

48143 Münster
Neubrückenstraße 63

Ein junges Architektenteam – Harald Deilmann, Max von Hausen, Ortwin Rave und Werner Ruhnau (Architektenteam Münster) – baute 1954 bis 1956 das Stadttheater Münster, den ersten Theaterneubau der Bundesrepublik. Das moderne Gebäude, das den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Rombergschen Hof von Wilhelm Ferdinand Lipper (1779), dessen Ruine es integriert, ersetzte, sprengte die Klischees der Nachkriegsarchitektur. Europaweit wurde es als „befreiender Donnerschlag“ (Ernst May) der Theaterarchitektur gefeiert. „Sein erscheinungsbild wird durch ineinander gefügte Baukörper bestimmt: In diagonaler Ausrichtung zur Straßenkreuzung staffeln sich Foyer, Zuschauerraum und Bühnenturm zwischen Martini- und Apostelkirche zu einer begehbaren Skulptur. […] Während das Eingangsgeschoss bewusst niedrig und dunkel gehalten ist, überraschen Treppenhaus und oberes Foyer in ihrer Transparenz und Lichtfülle.“ (Stefan Rethfeld, Sylvaine Hänsel: Architekturführer Münster/Architectural Guide to Münster. Berlin 2017, S. 129) Über dem Eingang befindet sich die Skulptur „Raum-Zeitplastik“ von Norbert Kricke.